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Neurodermitis

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Neurodermitis|Der Fein in meiner Haut

Schon im frühen Alter an wurde uns beigebracht, wie wichtig es ist, die eigene Haut zu schützen und zu pflegen. Nicht ohne Grund, denn die Haut gehört zu den wichtigsten Körperorganen und ist zudem das größte Körperorgan. Die Größe bringt aber auch Angriffspunkte mit sich, denn die Haut gehört zu den sensibelsten Körperorganen. Das gilt besonders für Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Die Haut juckt permanent, und oft ist der teilweise unerträgliche Reiz nur durch kräftiges Kratzen zu bändigen, und meistens macht das Kratzen nur alles noch schlimmer.

Die Neigung zu Neurodermitis liegt nicht nur in den Genen. Essgewohnheiten sowie Duft- und Konservierungsstoffe können ebenso zum Ausbruch dieser Krankheit beitragen. Stress kann das Ganze intensivieren und entsprechende Schübe geben.

 

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Neurodermitis kann Betroffene stark belasten

 

Die Haut, in der ich lebe|Leben mit Neurodermitis

Einmal der Neurodermitis verfallen, lässt sie einen nicht mehr los. Das ist der Beginn eines langen Hautleidens. Dann heißt es kratzen, kratzen und nochmal kratzen. Manchmal bis es blutet. Betroffene können oft nicht anders. Sie sind in einem meist aussichtslosen Teufelskreis gefangen. Kratzen bringt kurz Linderung, verstärkt aber im nur den Juckreiz. Laut Studien leiden in Deutschland |1,5 - 3% der Erwachsenen an Neurodermitis. Für immer, denn die Hauterkrankung ist unheilbar. 6% aller Kinder und Jugendlichen leiden an Neurodermitis (Quelle Robert-Koch-Institut). Wer sie hat, muss mit ihr leben. Neurodermitis kann ganze Lebensläufe beeinflussen, milde auftreten aber auch über Jahre verschwinden.

So vielfältig wie sie ist, kann Neurodermitis sich gerade in grundlegenden Lebensphasen aufzeigen. Studium, Heirat, Umzug, neue Arbeit, Kinder, mehr Verantwortung… die Liste ist lang. In Stresssituationen kann die Haut anfangen zu rebellieren. 

Warum? 

Experten sprechen davon, dass die Haut eben auf die persönliche Lebenslage emotional mit reagiert. Viele von uns können das sicherlich nachvollziehen, aber auch Studien belegen die emotionale Reaktion der Haut auf bestimmte Stresssituationen.

1999 untersuchte die japanische Dermatologin Atsuko Kodama, wie sich das Erbeben in der Region Kobe am 17.01.1995 auf Menschen mit Neurodermitis ausgewirkt hat. Damals starben innerhalb weniger Sekunden rund 6000 Menschen, 300.000 verloren ihr Zuhause. Kodamas Studien belegten, dass |38% der 1500 Neurodermitis-Patienten in der Region als Reaktion auf das Erbeben mit starken Ekzemen reagierten. Ekzem ist ein Synonym für Juckflechte (siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ekzem).

Eine Studie aus 2006 der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie belegt, dass z.B. Scheidungskinder deutlich stärker unter Neurodermitis-Schüben leiden als andere Gleichaltrige. Gerade in Stresssituation ist eine ausgewogene Ernährung wichtig und nicht zu unterschätzen. Eine starke Unterstützung wie Gerstengras kann große vorbeugende Wirkungen mit sich bringen.

Doch warum reagiert die Haut auf seelischen Druck?   

Um diese Frage kümmerte sich 2015 Professor Uwe Gieler von der Universitätsklinik in Gießen. Der Psychologe und Dermatologe ist einer der wenigen Experten auf diesem Gebiet in Deutschland und ließ für eine im Januar 2015 veröffentliche Studie Probanden einen standardisierten Test durchführen: ein simuliertes Bewerbungsgespräch gefolgt von kniffligen Mathe-Aufgaben.

Dabei hielt er fest, dass die Situation für die Teilnehmer eine sehr stressige und frustrierende Erfahrung ist. Vor und nach dem Test wurden von den Teilnehmern Hautproben entnommen und analysiert. Dabei  hatte das Team von Professor Uwe Gieler festgehgalten, dass bei Menschen mit Neurodermitis unter Stress sogenannte Neuropeptide freigesetzt werden. Neuropeptide sind Botenstoffe im Nervengewebe, die in das Immunsystem eingreifen. Sein Fazit ist, dass die Haut auf Stress ähnlich wie auf Allergene reagiert – allergisch. Und diese Erkenntnis hat unmittelbare Konsequenzen für die Behandlung, denn psychische Faktoren gehören mit in die Diagnostik.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin unterstützt die Ergebnisse von Professor Uwe Gieler, weil eine Großstudie ergab, dass |29% der Hautkranken ein seelisches Leiden haben. Es wird empfohlen, dass Betroffene lernen sollten, den Stress zu regulieren und sich ergänzend mit geeigneten Präparaten zu unterstützen, damit der Stresspegel ausgeglichen ist. Gerstengrassaft kann unterstützend wirken.

In sogenannten Neurodermitis-Schulungen kann man lernen, sich richtig zu entspannen. Auch wie man die Haut richtig pflegt, wird dort ebenfalls gezeigt. Es werden Entspannungstechniken beigebracht, ein Stress-Management-Programm absolviert und Kratzalternativen aufgezeigt. So soll bei Juckreiz nicht das juckende Ekzem, sondern die gesunde Haut daneben gedrückt, gekniffen oder gestreichelt werden, ein Trick, um aus dem Kreislauf aus Jucken und Kratzen auszubrechen. Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Meditation sollen dabei helfen, leichten Juckreiz zu verdrängen und das Krankheitsbild zu verbessern. Entsprechende Kursangebote gibt es bundesweit.

 

 

 

Neurodermitis|Hat zahlreiche Ursachen

Stress ist jedoch nicht bei Weitem der einzige Auslöser für Neurodermitis-Schübe. Experten sprechen davon, dass das Hautleiden multifaktoriell ist. Genauer gesagt: Eine genaue Ursache lässt sich nicht ermitteln, obwohl man mittlerweile weiß, dass Neurodermitis vererbbar ist. Es können zahlreiche Auslöser infrage kommen wie z.B.

|1 Chemikalien

|2 Lösungsmittel

|3 UV-Strahlen

|4 (falsche Ernährung)

|5 Kontaktallergene wie Nickel, Chrom, Farb- und Konservierungsstoffe oder Duftstoffe

Weil die Ursachen breitgefächert sind, macht schon diese Vielzahl ein allgemeines Behandlungsschema nahezu unmöglich. Zum allen Überfluss belegte eine neue Studie im Juli 2015 des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin erstmals wissenschaftlich, dass Gräserpollenflug ein weiterer elementarer Faktor für den enormen Einfluss auf das chronische Hautleiden nehmen kann. Betroffene haben in dieser Zeit ein deutlich schlechteres Krankheitsbild. Z.B. kann beim Wechsel von Sommer auf Herbst die Haut trockner werden.

 

 

 

Neurodermitis? |Welche Therapien helfen 

Was helfen kann und was weniger hilft  

Cremes, Diätplan, Pillen? So unterschiedlich die Ursachen von Neurodermitis sind, so vielfältig sind die Behandlungsmöglichkeiten. Doch nicht allen Empfehlungen sollte man folgen. Professor Thomas Werfel ist Immundermatologe und Neurodermitis-Experte und fungiert als leitender Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dabei zählt er zu den führenden Neurodermitis-Experten in Deutschland. Seine Empfehlung ist, dass Betroffene die Neurodermitis-Zonen nicht zu stark mit Kortikoid-Cremes oder –Salben bekämpfen, weil auf Dauer die Haut darunter leidet. Demnach sollte Kortison nur in Notfällen eingesetzt werden. Sie wird an diesen Stellen immer dünner und bekommt rote Streifen. Demnach wird eine dünne Auftragung auf die betroffenen Stellen empfohlen, auch dann, wenn das Ekzem verschwunden ist. Zweimal pro Woche über mindestens drei Monate sollten betroffene Stellen weiterbehandelt werden, weil auch nach dem Abklingen der Entzündung meist eine für das Auge nicht sichtbare Art Rest-Entzündung zurückbleibt. Von starken antientzündlichen Wirkstoffen in Tablettenform wird abgeraten, weil diese mit starken Nebenwirkungen verbunden sind, die u.a. das Immunsystem unterdrücken. Sogenannte Neurodermitis-Diäten helfen laut Professor Thomas Werfel sehr wenig, denn wenn es keine eindeutigen Hinweise auf eine entsprechende Allergie gibt, sind Diäten alles Einschränkungen, die nicht zur Besserung der Neurodermitis beitragen werden. Ähnlich steht es um naturheilkundliche Cremes und Salben, für die es im Hinblick auf Neurodermitis keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gibt, wie z.B. Aloe vera. 

 

 

 

 

Studien, Quellen und Bilder:

Augsburger Allgemeine, Interview mit Professor Uwe Gieler, "Ist die Haut wirklich der Spiegel der Seele?", Link

Robert Koch Institut, Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 2009-2012, Studie als PDF

Philadelphia Center For Dermatology, Dr. Kodama, Link

AWMF online, Das Portal der wissenschaftlichen Medizin, Langfassung der Leitlinie "Neurodermitis", Studie als PDF

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V., Haut als Spiegel der Seele, Link

Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin, Pressemitteilung, Pollenflug beeinflusst Neurodermitis, Link

Universitätsklinikum Hamburg, Neurodermitis - Ursachen, Symptome und Behandlung, Studie als PDF

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Ruhr-Universität Bochum - St. Josef-Hospital, Patientenmerkblatt atopisches Ekzem (Neurodermitis), Studie als PDF

 

Bild 1 "Woman scratching her arm": © thodonal - Fotolia.com

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