Wie alles begann...

„Hey Joe, beeil dich, der LKW ist schon da. Oh man, das ist nen riesen Ding, der

kommt doch nie wieder aus der Straße raus!“

Ich weiß es noch, als wenn es gestern gewesen wäre. Es war unser aller erster

großer Auftrag, 400kg nach Südtirol. Ich weiß gar nicht mehr wie wir an den

Auftrag gekommen sind. Ich glaube es war einfach ein Anruf vom Besitzer der

Firma, weil er von unserem Gerstengras Pulver von einem Freund gehört hatte.

Das war eine ganz schöne Schufterei. Gott sei Dank haben wir von dem ersten

verdienten Geld 3 Tapeziertische gekauft, die haben wir dann in meinem

Wohnzimmer nebeneinander aufgestellt und wie so eine Art Mini-Fertigungs-

Straße gebastelt. Auf dem ersten haben wir die Beutel beklebt und aufrecht

hingestellt, auf dem zweiten haben wir das Pulver in die Beutel gefüllt und auf

dem dritten Tisch haben wir die Beutel verschlossen und mit einem trockenen

Tuch sauber gemacht.

Natürlich passierte das ganze abends bis tief in die Nacht und am Wochenende,

weil wir beide (mein Partner und ich) einen Vollzeitjob hatten und während

unserer Freizeit versucht haben jomu aufzubauen.

Wir wollten unbedingt von 0 starten bzw. nicht ganz richtig, wir haben jeweils

300,00€ investiert und damit die erste Ware vom Großhändler gekauft. Unser

Online Shop ging genau am 17.12.2012 online.

jomu Gerstengras Tüten auf dem Boden im Büro in Steinhagen
Das erste Büro von jomu voller Kartons
Ein Stapel Kartons im jomu Büro in Steinhagen

Meine kleine Wohnung sah vielleicht aus, es war einfach immer alles grün. Selbst

nach 3 Jahren hab ich noch Pulver auf meinen Hängeschränken in der Küche

gefunden. Und apropos Küche. Ich glaube, ich darf das gar nicht sagen, aber ich

hab in den ersten drei Jahren in meiner kleinen 6qm Küche über 3 Tonnen

Gerstengraspulver alleine abgefüllt, während mein Partner in meinem

Wohnzimmer die ersten Rechnungen geschrieben hat und den Online Shop

erstellt hat.

Auch ne ziemlich coole Geschichte: Mein Partner und ich haben uns zum ersten

Mal nach drei Jahren getraut, Geld von jomu quasi privat zu nutzen und wir sind

auf Firmenkosten zusammen essen gegangen. Wir hatten aber beide Angst, dass

es zu teuer wird und daher hat sich keiner von uns getraut, ein Getränk dazu zu

bestellen und wir haben beide nur einen Salat bestellt.

Einige Zeit danach war mein Partner der erste, der Vollzeit für jomu gearbeitet

hat. Ich hab ihm einen Schlüssel für meine Wohnung gegeben – das Büro und

alles andere war ja in meiner Wohnung. Eines Nachts hab ich irgendein Geräusch

gehört. Ich stand auf und ging ins Wohnzimmer – da saß mein Partner nachts um

3.00 Uhr in meinem Wohnzimmer am Rechner : „Was machst du hier?“ Hab ich

ihn gefragt und er hat nur geantwortet: „Joe, wir müssen noch mehr arbeiten,

damit du bald auch Vollzeit für jomu arbeiten kannst.“

​Irgendwann saß ich bei meinem damaligen Arbeitgeber und hatte den Gedanken:

Ich kündige heute. Ich schrieb also kurzer Hand meine Kündigung, als meine

Kollegin ins Büro kam. Sie guckte auf meinen Rechner und sagte nur: „für wen

schreibst du denn eine Kündigung?“. „Für mich“ – antwortete ich. Sie fing an zu

lachen und sagte nur: „du verarscht mich doch. Seit wann weißt du das denn und

warum hast du mir nix gesagt?“ Ich weiß es seit 5 Minuten hab ich geantwortet.

Kurz darauf stand ich auch schon bei meinem Chef und hab gekündigt. Sie hätten

mal das Gesicht meines Partners sehen sollen, als ich es ihm abends gesagt hab,

der hat fast einen Herzinfarkt gekriegt und sagte nur: „Joe, die Kohle reicht doch

niemals für uns beide!“ Ich hab dann nur geantwortet: „keinen Stress, ich hab ja 3

Monate Kündigungsfrist.“

Fragen Sie mich nicht, wie wir das gemacht haben, aber irgendwie hat es

tatsächlich geklappt.

Ein paar Jahre später waren wir dann so weit, dass einige Kunden nicht mehr nur

online bestellten, sondern ihr Gras direkt bei uns abgeholt haben. Es sah schon

komisch aus wenn ich den Kunden dann an der Haustür das Gras gab und dafür

Geld bekam. Irgendwann sagte mein Vermieter scherzhaft: „Roll unser kleiner

Graskönig!“

Und erst als meine Wohnung so voll von Kartons gestellt war, dass ich nur noch

einen 30cm breiten Gang hatte und schon seit Wochen nicht mehr auf meinem

Sofa sitzen konnte, haben wir uns nach etwas größerem umgeschaut und sind in

Bielefeld um die Ecke fündig geworden.

Heute haben wir es geschafft, dass sogar weitere Kollegen von unserer Idee leben

können und was ich besonders toll finde, wir haben auch schon zwei junge

Frauen ausgebildet und sogar übernehmen können.

Tja und wer weiß, wo die Reise noch hinführt. Ich für meinen Teil werde von dem

Pulver nie die Schnauze voll kriegen, selbst wenn ich wieder meine kleine

Wohnung, in der ich heute noch lebe, wieder bis unters Dach mit Gras

vollstopfen muss.

Und um ehrlich zu sein, vermisse ich sogar ein wenig die wilde, total chaotische

Zeit von früher, aber ich freu mich auch riesig auf alles was noch kommt.

Gerstengras macht riesen Spaß.